Wissenswertes zum Thema Umsessenheit, Besetzung, Verblendung, Besessenheit

Von der Umsessenheit und der Besessenheit

Kapitel 23 aus dem Werk von Allan Kardec: ”Das Buch der Medien”

- Die einfache Umsessenheit oder Belästigung -
- Die Verblendung oder Faszination -
- Die Unterjochung bis hin zur vollständigen Beherrschung -
- Ursachen der Umsessenheit und Besessenheit -
- Mittel, sie zu bekämpfen -

237. Unter die Anzahl der Klippen, welche die Ausübung des Spiritismus bietet, muss man Umsessenheit (auch Besetzung) und Besessenheit in die erste Reihe setzen, das heißt die Herrschaft, die einige Geistwesen über gewisse Personen auszuüben wissen. Sie geschieht nur durch niedere Geistwesen, die zu beherrschen suchen. Die guten Geistwesen lassen keinen Zwang fühlen, sie raten, bekämpfen den Einfluss der bösen, und wenn man nicht auf sie hört, ziehen sie sich zurück. Die bösen hingegen hängen sich an die, an denen sie eine Halt finden; wenn sie dahin gelangen, über jemanden die Herrschaft zu erlangen, identifizieren sie sich mit dessen eigenem Geist und führen ihn wie ein richtiges Kind.

Die Umsessenheit und Besessenheit hat verschiedene Grade, die man wohl unterscheiden muss und, die sich aus dem Grad des Zwanges und aus der Natur der Wirkungen ergeben, welche sie hervorbringt. Das Wort »Besessenheit« ist in gewisser Art eine allgemeine Benennung, womit man eine Gattung von Phänomenen bezeichnet, deren Hauptarten einfache Belästigung (auch Besetzung), Verblendung und vollständige Unterjochung sind.

238. Die einfache Umsessenheit (auch Besetzung) oder Belästigung tritt ein, wenn ein boshaftes Geistwesen sich einem Medium aufdrängt, sich gegen seinen Willen in die Mitteilungen einmischt die es erhält, es verhindert, mit anderen Geistwesen zu verkehren und sich für jene ausgibt, die man ruft.

Man ist darum noch nicht »besessen«, wenn man auch von einem Lügengeist betrogen wird. Das beste Medium ist diesem ausgesetzt, besonders anfangs, weil da noch die nötige Erfahrung fehlt, ebenso wie bei uns die rechtschaffensten Menschen Opfer von Schurken werden können. Man kann daher betrogen werden, ohne besessen zu sein. »Besessenheit« besteht in der Hartnäckigkeit des Geistwesens, von dem man sich nicht losmachen kann.

Bei der einfachen Belästigung weiß das Medium sehr gut, dass es mit einem Truggeist zu tun hat, und dieser verbirgt es auch nicht; er verbirgt seine schlechten Absichten und seinen Wunsch, hinderlich zu sein, durchaus nicht. Das Medium erkennt ohne Mühe die Betrügerei, und da es auf der Hut ist, wird es selten betrogen. Diese Art Umsessenheit oder »Obsession« ist also einfach nur unangenehm und bringt keinen anderen Nachteil, als den Mitteilungen, die man von ernsthaften Geistwesen oder von jenen, die man liebt, haben wollte, ein Hindernis entgegenzustellen.

Man kann in diese Kategorie die Fälle der physischen Belästigung einreihen; das ist jene, die in den tobenden und hartnäckigen Kundgebungen gewisser Geistwesen besteht, die spontan Schläge und andere Geräusche hören lassen. Wir verweisen bezüglich dieses Phänomens auf das Kapitel von den spontanen physischen Manifestationen.

239. Die Verblendung oder Faszination hat viel ernstere Folgen. Es ist eine durch die unmittelbare Einwirkung des Geistes auf den Gedanken des Mediums hervorgebrachte Täuschung, die in gewisser Art dessen Urteil bezüglich der Kundgebungen lahmlegt. Das faszinierte Medium glaubt sich nicht betrogen; das Geistwesen besitzt die Kunst, ihm ein blindes Vertrauen einzuflößen, was verhindert, die Täuschung zu sehen und die Absurdität dessen was er schreibt, zu begreifen, selbst wenn sie allen ins Auge springt. Die Täuschung kann sogar so weit gehen, dass es in der lächerlichsten Sprache etwas Erhabenes sieht. Man wäre im Irrtum, wenn man glaubt, diese Art harter Belästigung könne nur einfache, unwissende und des Urteils unfähige Personen erreichen. Die geistreichsten, aufgeklärtesten und in anderen Beziehungen intelligentesten Menschen sind davon nicht ausgenommen, was beweist, dass diese Verblendung die Wirkung einer fremden Ursache sind, deren Einfluss sie unterliegen.

Wir haben gesagt, dass die Folgen der Verblendung oder Faszination viel schwerer sind; in der Tat, begünstigt durch diese Täuschung, die davon die Folge ist, führt das Geistwesen denjenigen, den zu beherrschen ihm gelungen ist, wie einen Blinden und kann bewirken, dass dieser die wunderlichsten Lehren, die falschesten Theorien als den alleinigen Ausdruck der Wahrheit annimmt. Noch mehr, er kann es zu lächerlichen, kompromittierenden und sogar gefährlichen Wegen anstiften.

Man begreift leicht den ganzen Unterschied, der zwischen der einfachen Belästigung und der Faszination besteht; ebenso begreift man, dass die Geistwesen, welche diese Tatsachen bewirken, unterschiedliche Charaktere haben müssen. Bei der ersteren ist das Geistwesen, der sich an euch hängt, bloß wegen seiner Zudringlichkeit lästig und man ist ungeduldig, sich von ihm zu befreien. Bei der letzteren ist es ganz anders; um das zu erreichen, bedarf es eines geschickten, listigen und sehr scheinheiligen Geistwesens; denn er kann nur mit Hilfe der Maske, die er anzunehmen weiß, durch einen falschen Schein von Tugend täuschen und sich geltend machen. Die großen Worte der Nächstenliebe, Demut und Liebe zu Gott sind für ihn wie Beglaubigungsschreiben; aber er lässt bei alledem Zeichen seiner Niedrigkeit durchblicken, so dass man fasziniert sein muss, um es nicht wahrzunehmen; auch fürchtet er vor allem die Leute, die zu klar sehen; deshalb gebraucht er fast immer den Kunstgriff, seinem Vermittler die Trennung von jedem anzuraten, der ihm die Augen öffnen könnte; auf diese Art von jedem Widerspruch befreit, ist er gewiss, stets Recht zu haben.

240. Die Unterjochung bis hin zur vollständige Beherrschung ist ein Zwang, der den Willen dessen lähmt, der sich ihm unterwirft, und ihn gegen seinen Willen handeln lässt.

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